Lernumgebungen förderlich gestalten –
was kann die Kommune tun?

Ob auf dem diesjährigen Ganztagskongress oder im Startchancenprogramm: Die Frage, wie Schulen vom reinen Lern- zum Lern- und Lebensort weiterentwickelt werden können, bewegt Gestalterinnen und Gestalter in Schulen genauso wie in Kommunen. Bildungsmanagerinnen und -manager fragen sich, was sie tun können, um lernförderliche Umgebungen voranzubringen. Wir stellen zwei Beispiele vor, die konkrete Impulse liefern.

Räume prägen Lernen

Lernorte lernförderlich zu gestalten, gelingt am besten, wenn die Expertise der Kinder und Jugendlichen, die ihre Schule täglich erleben, in die Gestaltung einfließt.

Führt man sich vor Augen, dass Kinder heute nahezu den ganzen Tag in der Schule verbringen, wird klar, dass hier nicht nur Wissen angeeignet werden kann – schon gar nicht in der traditionellen Form des Frontalunterrichts. Wenn Kinder nicht mehr nur halbtags in der Schule sind, rücken beispielsweise Essensräume, Ruhe- oder Rückzugsräume, Spielräume und -flächen in den Fokus der räumlichen Schulgestaltung. Damit rücken gleichzeitig auch erweiterte Formen der Bildung in den Mittelpunkt: Neben der formalen Bildung werden non-formale Bildungsangebote und informelle Lernsettings wichtiger sowie die Wechselwirkungen zwischen diesen Bildungsformen. All diese Überlegungen fließen ein in das Bild von der Schule als Lern- und Lebensort. Sie finden sich außerdem wieder im Konzept der förderlichen Lernumgebungen.

Was bedeutet „förderliche Lernumgebung“?

Eine förderliche Lernumgebung umfasst weit mehr als den Unterrichtsstoff. Sie entsteht aus dem Zusammenspiel von räumlichen, sozialen und organisatorischen Faktoren: Gute Raumluft, Licht, Sauberkeit gehören dazu, ebenso wie Sicherheit, Wertschätzung und Mitbestimmung. Kurz: Im Konzept der förderlichen Lernumgebungen werden räumliche und pädagogische Aspekte des Lernens zusammengedacht.

Für Kommunen als Schulträger heißt das: Sie müssen Lernorte so gestalten, dass sie Motivation, Gesundheit und Chancengerechtigkeit fördern. Das gelingt am besten, wenn die Expertise der Kinder und Jugendlichen, die ihre Schule täglich erleben, in die Gestaltung einfließt. Partizipation spielt folgerichtig eine zentrale Rolle bei der Schaffung förderlicher Lernumgebungen. Weitere zentrale Gestaltungsprinzipien sind Flexibilität, Inklusion, Nachhaltigkeit, Transparenz, Digitalität und Bewegungsfreundlichkeit.

Was können Kommunen tun?

Kommunen haben mehrere Ansatzpunkte, um Lernumgebungen zu verbessern:

  • Infrastruktur: Bau, Sanierung und Ausstattung der Gebäude
  • Koordination: Vernetzung von Schulen, Horten, Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft
  • Datenmanagement: Bedarfserhebung, Monitoring und Prioritätensetzung auf Basis objektiver Informationen
  • Partizipation: Strukturelle Einbindung der Schulgemeinschaft in Planung und Umsetzung

Das kommunale Bildungsmanagement kann beispielsweise die Datengrundlage liefern, um nicht nach Bauchgefühl, sondern gezielt zu handeln: etwa durch Raumnutzungsanalysen, Befragungen zur Zufriedenheit oder systematische Erfassung von Sanierungsbedarfen. So werden Ressourcen dorthin gelenkt, wo sie den größten Unterschied machen. Darüber hinaus kann das Bildungsmanagement Impulse vermitteln, wo und wie niedrigschwellig Lernumgebungen weiterentwickelt werden können, um das Wohlbefinden der Kinder zu erhöhen. Die German Toilet Organization ist ein solcher Impuls.

Die „German Toilet Organization“ – Wohlbefinden beginnt auf der Toilette

Schultoiletten sind ein unterschätzter Faktor für das Wohlbefinden von Schulkindern. Unsauberkeit, Vandalismus oder fehlende Privatsphäre können nicht nur die Stimmung, sondern auch die Lernbereitschaft beeinträchtigen.

Die German Toilet Organization zeigt, wie sich das ändern lässt: In ihren Projekten entwickeln Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Lehrkräften, Hausmeistern und Verwaltung eigene Lösungen – von baulichen Verbesserungen über kreative Gestaltung bis zu Pflege- und Verhaltenskonzepten.

Die Beteiligten erleben, dass ihre Ideen zählen, und übernehmen Verantwortung für „ihren“ Raum. Kommunen können solche Initiativen fördern, indem sie Budgets bereitstellen, die Organisation unterstützen und die Ergebnisse in langfristige Bau- und Sanierungspläne einbinden.

Landkreis Saarlouis – das Bildungsbüro als Schnittstelle

Im Landkreis Saarlouis wird seit einigen Jahren die Beteiligung von Schülerinnen und Schülern an der räumlichen Schulgestaltung durch das dortige Bildungsbüro sichergestellt. Ob neue Lernzonen, Aufenthaltsbereiche oder digitale Arbeitsplätze – Schülerideen werden hier systematisch gesammelt, gebündelt und in die Planungen integriert.

Das Bildungsbüro koordiniert anstehende Baumaßnahmen zwischen Schulen, Kommunalverwaltung und der Landkreisarchitektin und setzt an den betreffenden Schulen die Beteiligung der Kinder um. Das geschieht konkret mit der Methode der Zukunftswerkstatt: Von den Klassen entsandte Schülerinnen und Schüler treffen sich gemeinsam mit der Architektin zu insgesamt vier Workshops und bringen an den verschiedenen Stellen im Prozess der Bauplanung ihre Perspektiven ein. Das Bildungsbüro behält im Blick, dass der Input der Kinder nicht verloren geht. Über das DKBM fließen zusätzlich harte Daten – etwa Raumauslastung, Unfallstatistiken oder Befragungsergebnisse – in die Entscheidungen ein. Das Resultat sind Maßnahmen, die sowohl realisierbar als auch passgenau sind.

Diesem Vorgehen vorausgegangen war ein Kreistagsbeschluss aus dem Jahr 2010, wonach keine bauliche oder sonstige Maßnahme durchgeführt werden soll, ohne die betreffenden vorher Kinder zu beteiligen. 

Was lässt sich aus den Praxisbeispielen lernen?

Aus den Beispielen lassen sich mögliche Handlungsschritte ableiten:

  • Partizipation verankern – feste Strukturen zur Mitwirkung von Schülerinnen und Schülern schaffen, idealerweise mit Rückendeckung der politischen Spitze
  • Bedarfe durch Daten erkennen – systematische Analysen zu Raumqualität, Ausstattung und Zufriedenheit nutzen, um Handlungsbedarfe und Ressourcen zu eruieren
  • Koordination stärken – Bildungsbüros oder vergleichbare Stellen, die relevante Akteure innerhalb und außerhalb der Verwaltung zusammenbringen, ausbauen
  • Pilotprojekte initiieren – Modellschulen als Testfelder für neue Ansätze nutzen
  • Nachhaltigkeit sichern – Maßnahmen evaluieren und bei Erfolg dauerhaft integrieren

Die Beispiele zeigen: Gute Lernorte entstehen nicht zufällig. Sie sind das Ergebnis eines strategiegeleiteten Vorgehens mit einer klugen Verbindung aus Datenanalyse, koordinierter Umsetzung und echter Beteiligung der Lernenden.

Projekte wie jene der German Toilet Organization oder das konsequent beteiligungsorientierte Schulentwicklungsprogramm des Landkreises Saarlouis zeigen, dass Partizipation nicht nur eine nette Zugabe ist, sondern spürbare Verbesserungen bringt. Vor allem tragen sie dazu bei, dass Schülerinnen und Schüler die Schule als Ort wahrnehmen, den sie mitgestalten und -planen können, mit dem sie sich identifizieren können – sie erfahren Schule als Lebensort.

Kontakt

Tina Wiesner, Wissenstransfer

Tel.: 0345-68178101 E-Mail: twiesner@dji.de

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