Online-Fortbildung
In unserer Online-Fortbildung am 2. September 2025 ging es um die Frage, wie Kommunen dabei unterstützen können, Schulräume zu gestalten, die den veränderten Bedarfen von Kindern, Lehr- und anderen Fachkräften gerecht werden. Sonja Fahr von der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft machte klar: Beteiligung von Anfang an ist der Schlüssel.
Förderliche Lernumgebungen sind flexible Raumstrukturen, die offen sind, aber auch Abgrenzungsmöglichkeiten bieten.
Die Resonanz auf die Online-Fortbildung zur partizipativen Raumgestaltung in Schulen war groß: 35 Teilnehmende aus ganz Deutschland hatten sich am 2. September zugeschaltet. Sie kamen aus unterschiedlichen Bereichen der Kommunalverwaltung, vor allem aus dem Schulamt bzw. der Schulentwicklungsplanung, der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe und dem kommunalen Bildungsmanagement.
Auf die Eingangsfrage der Moderatorin Tina Wiesner, stellvertretende Projektleitung der REAB Mitteldeutschland, nach Herausforderungen bei der Schulraumplanung nannten die Teilnehmenden vor allem fehlende Ressourcen und sinkende Schülerzahlen. Darüber hinaus machten die Teilnehmenden deutlich, dass bei der Frage der Raumgestaltung grundsätzlich Unterstützungsbedarf besteht. Eine Person sprach an der Stelle gar von „Überforderung“. Von der Veranstaltung wünschten sich die beteiligten Kommunen grundlegende Ideen und Impulse, aber auch Einblick in kommunale Praxisbeispiele. Die große Resonanz und der allgemein geäußerte Unterstützungsbedarf zeigen: Das Thema der Fortbildung treibt die Kommunen um.
Sonja Fahr, pädagogische Architektin bei der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft, rollte in ihrem Impuls das Thema in seiner Bandbreite aus: Sie begründete die Notwendigkeit neuer Raumkonzepte in Schulen, indem sie die veränderte und sich ständig weiter verändernde Welt anführte. Sie sei so brüchig, besorgniserregend, unvorhersehbar und unbegreiflich (engl.: BANI-Welt), dass es nicht mehr ausreiche, Bildung als reine Wissensvermittlung im Frontalunterricht zu denken. Vielmehr müsse moderne Schulbildung darauf abzielen, Kinder und Jugendliche zu befähigen, ihr Leben in dieser herausfordernden Welt aktiv zu gestalten.
Auch der Umstand, dass Kinder heute immer häufiger den ganzen Tag an ihrer Schule verbringen, mache einen neuen Blick auf Bildung und in der Folge auf alternative Räume notwendig – für Erholung, zum Selbstlernen, für Kreativität und Bewegung. Bundesweite politische Maßnahmen wie das Startchancen-Programm oder das Ganztagsförderungsgesetz greifen diese Überlegungen auf und fordern ein Umdenken in der Schulraumgestaltung.
Räumliche Planung, so die Grundidee der neuen Schulraumplanung, muss vom pädagogischen Konzept ausgehen. Traditionelle Bildungsräume in „Klassenraum-Flur-Schulen“ bilden überwiegend Frontalunterricht ab, so Sonja Fahr. Gestaltungsprinzipien förderlicher Lernumgebungen seien dagegen flexible Raumstrukturen, die offen sind, aber auch Abgrenzungsmöglichkeiten bieten. Sichtbeziehungen durch Öffnungen oder Glaswände, räumliche Anker zum Ankommen und Verweilen und die Berücksichtigung von Atmosphäre, Licht und Klima sind weitere Prinzipien bei der Gestaltung solcher Lernumgebungen.
Was hat das Ganze mit Partizipation zu tun?
Die Montag Stiftung betont die Bedeutung der Phase 0: Bereits in der Vorbereitung auf die Planung müssen die pädagogischen Bedarfe und die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler erhoben werden. Dies gelingt nur durch partizipative Beteiligung aller relevanten Akteure. Auf diese Weise kann, so Sonja Fahr, die Architektur die Pädagogik bestmöglich unterstützen.
Doch wer genau sind diese Akteure? Neben den Schülerinnen und Schülern sind dies die Schulen und der Schulträger, der Hort, die Bauaufsicht und die kommunale Bauverwaltung. In den Zuständigkeiten der einzelnen Akteure wird die Komplexität des Handlungsfeldes deutlich: Die Bauverwaltung ist zuständig für feste Möblierung, das Schulamt für lose Möblierung. Da Möblierung oft erst am Ende des Bauprozesses stattfindet, gerät sie oft auch erst dann in den Blick. Dabei sollte sie im Sinne eines ganzheitlichen Raumkonzepts frühzeitig mitgedacht werden. Zentral sind also frühzeitige Absprachen von Bauverwaltung, Schulamt und Schulen, um spätere Konflikte zu vermeiden.
In der Diskussion wurde auf lange Planungsprozesse in den Kommunen hingewiesen, die oft zur Folge hätten, dass Ideen aus der Phase 0 bei der tatsächlichen Umsetzung oft nicht mehr passen. Außerdem wurde von der Herausforderung berichtet, pädagogische Konzepte in vorhandenen Räumen umzusetzen. Darüber hinaus werde von Schulen oft erwartet, dass sie architektonische Entscheidungen treffen – was realistisch nicht möglich sei.
Sonja Fahr betont hier die Bedeutung einer Prozessbegleitung: Diese sei notwendig, um pädagogische Konzepte und architektonische Planungen zu verbinden. Lehrkräfte sollten am Planungsprozess teilnehmen, ihn aber nicht gleichzeitig moderieren müssen. Um Informationsverluste während langer Bauzeiten zu vermeiden, sollten auch kleine Entwicklungsschritte sichtbar gemacht werden und neue pädagogische Konzepte bereits in bestehenden Räumen getestet werden. „Auch kleinere Veränderungen können oft schon viel bewirken“, sagt Sonja Fahr. Vorteil wäre auch, dass durch sichtbare Fortschritte der Beteiligungsprozess lebendig bleibe.
Wichtig sei auch, die Menschen, die diesen Prozess mittragen sollen, mitzunehmen. „Viele Erwachsene haben wenig positive Erfahrungen mit Schulräumen gemacht“, so Sonja Fahr, „sie können sich neue Konzepte schwer vorstellen.“ Hier sei es ratsam, alternative Erfahrungen zu ermöglichen, etwa durch Exkursionen zu Bildungsräumen, die entlang der genannten Prinzipien partizipativ gestaltet wurden. Häufig verstünden die Beteiligten im Anschluss besser, warum Veränderungen nötig seien.
Und wie geht das konkret?
In der kleinen Denkwerkstatt hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, miteinander zu Möglichkeiten der Partizipation bei der Schulraumgestaltung ins Gespräch zu kommen, Erfahrungen, Ideen und Herausforderungen vor dem jeweiligen kommunalen Kontext zu diskutieren. In einem Blitzlicht berichteten die Teilnehmenden ihre Erkenntnisse: Beteiligung erfordert Zeit und Ressourcen. Es braucht Koordination und oft auch einen „Kümmerer vor Ort“. Gemeinsame Gestaltung ist entscheidend. Projekte gelingen nur, wenn alle Akteure frühzeitig beteiligt werden. Frühzeitige Beteiligung spart Zeit. Werden Schülerinnen und Schüler zu spät eingebunden, müssen Prozesse nachgeholt werden.
Darüber hinaus erhielten die Teilnehmenden Raum, ihre offenen Fragen loszuwerden:
Im abschließenden Impuls von Sonja Fahr erhielten die Teilnehmenden einen Einblick in das Pilotprojekt „Ganztag und Raum“ in Mülheim an der Ruhr. Fazit des Pilotprojekts sei, so die Vortragende, dass Partizipation unumgänglich sei: Wenn Kinder, Lehrkräfte, Verwaltung, Bauamt und Architektinnen und Architekten von Anfang an zusammenarbeiten, entstehen tragfähige Lösungen. Darüber hinaus erweitern externe Kooperationspartnerinnen und -partner die Möglichkeiten und öffnen den Blick für gute Lösungen im Bestand – selbst in schwierigen räumlichen Ausgangslagen.
„Die Online-Fortbildung war ein gelungener Auftakt“, resümiert Tina Wiesner am Ende der Veranstaltung, „nun gilt es, die offenen Fragen weiter zu diskutieren, weitere niedrigschwellige Praxisbeispiele einzubringen – wir bleiben dran.“
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