Wie füllen Kommunen ihre Rolle bei der Gestaltung von BNE-Landschaften aus – diese Frage stand im Mittelpunkt eines Forschungsforums der Fachstelle Bildung für nachhaltige Entwicklung (FABINEK) auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) 2026. Die REAB Mitteldeutschland brachte gemeinsam mit der REAB Bayern Süd Erkenntnisse aus der Kommunalerhebung 2024 ein.
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) erfordert eine Koordination verschiedener BNE-Aktivitäten und Akteure in Kommunen. Diese Koordination wird in der Regel durch Kommunalverwaltungen geleistet. Wie gut gelingt sie, und welche Rolle nimmt das kommunale Bildungsmanagement dabei ein? Diese und weitere Fragen wurden im Forschungsforum der FABINEK mit dem Titel „Zwischen Pflicht und Kür: Die Rolle der Kommunalverwaltung bei der Gestaltung kommunaler BNE-Bildungslandschaften“ auf dem 30. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft am 25. März in München besprochen.
Tina Wiesner, stellvertretende Projektleitung der REAB Mitteldeutschland, war dabei und brachte in einem Vortrag Befunde aus der Kommunalerhebung 2024 ein, die gemeinsam mit der REAB Bayern Süd erarbeitet wurden. Dabei ging es um die Frage, welche Rolle das Thema BNE im kommunalen Bildungsmanagement spielt. Die Befragung ergab ganz klar: BNE ist ein Thema der kreisfreien Städte. Gemeinsam mit der Ganztagsbildung wurde BNE am häufigsten von den befragten kreisfreien Städten aus Mitteldeutschland und Südbayern genannt.
Zentrales Thema der Landkreise war hingegen die Fachkräftesicherung. Ein statistisch bedeutsamer Zusammenhang zeigte sich darüber hinaus bei der Frage der Ressourcen: Die Kommunen, in denen die personelle und finanzielle Ausstattung vergleichsweise gut eingeschätzt wird, nennen eher BNE als eines ihrer aktuellen Schwerpunktthemen als jene, die ihre Ausstattung weniger gut einschätzen.
Auch ein Unterschied zwischen den beiden Regionen zeigte sich: In Südbayern liegt das Thema auf Platz 3 von 13, in Mitteldeutschland auf Platz 9. Ein Vergleich der Themenschwerpunkte nach der regionalen Verortung der kreisfreien Städte und Landkreise gibt Hinweise darauf, warum BNE hier eine vergleichsweise geringe Rolle spielt: Fachkräftesicherung ist vor allem in Mitteldeutschland ein Thema des ländlichen Raums. Nur zwei der 13 Kommunen, die angeben, hier einen Schwerpunkt zu haben, sind kreisfreie Städte.
Auch in Südbayern wird das Thema Fachkräftesicherung im ländlichen Raum häufiger bearbeitet, aber nicht im selben Ausmaß. Die Frage der Gewinnung, Bindung und Qualifizierung von Fachkräften stellt sich in den mitteldeutschen Kommunen noch verschärfter als in den südbayerischen. Dabei hat sich, so eine Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA), der Fachkräftemangel in Ost- und Westdeutschland seit 2010 parallel entwickelt und betrifft ähnliche Berufsfelder.
Eine Erklärung für unseren Befund einer stärkeren Brisanz des Themas in Mitteldeutschland liefert dieselbe Studie: Während sich der Fachkräftemangel in Zahlen ähnlich entwickelt hat, zeigt sich in der Altersstruktur und in der Nachwuchsgewinnung ein deutliches Ost-West-Gefälle. Die ostdeutschen Fachkräfte sind im Durchschnitt nicht nur älter als die westdeutschen, der Anteil der 20- bis 29-Jährigen fällt auch geringer aus.
In den ostdeutschen Kommunen stellt sich die Frage, wie in Zukunft Fachkräfte gewonnen und gehalten werden können, dringlicher. BNE, so die Vermutung, hat als Thema, das weniger unmittelbar wirtschaftlich existenziell ist, vor diesem Hintergrund in Mitteldeutschland eine geringere Bedeutung. Frühkindliche Bildung, Ganztagsbildung und Erwachsenenbildung spielen im kommunalen Bildungsmanagement in Mitteldeutschland eine große Rolle – alles Themen, die auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Sicherstellung von Zugängen zum regionalen Arbeitsmarkt einzahlen.
Das Resümee: In kreisfreien Städten, die personell und finanziell gut aufgestellt sind, hat das kommunale Bildungsmanagement BNE als Thema ganz oben auf der Agenda. In Landkreisen mit ihren größeren Herausforderungen in puncto Mobilität und Kooperation – etwa mit den kreisangehörigen Gemeinden – gibt es hier noch Luft nach oben und Raum für Entwicklung.
Im Austausch mit den Kolleginnen der FABINEK sowie den Teilnehmenden am Forschungsforum wurde anschließend zum Beispiel darüber diskutiert, wie zivilgesellschaftliche Akteure und Kommunalverwaltung gemeinsam und auf Augenhöhe Bildung für nachhaltige Entwicklung voranbringen können. Dabei wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass dies derzeit häufig daran scheitert, dass sich Kommunen in finanziell schwierigen Haushaltslagen befinden. Würde Bildung für nachhaltige Entwicklung zur Pflichtaufgabe für Kommunen, sähe es anders aus, so der Tenor der Teilnehmenden.