Websession
Kommunen, die als Schulträger förderliche Lernumgebungen schaffen wollen, sollten auch die Schultoilette in den Blick nehmen. Sie ist ein Ort, der das Wohlbefinden der Kinder zwar wesentlich beeinflusst, jedoch häufig vernachlässigt wird. Die German Toilet Organization setzt hier an. Im Nachgehakt! zur Online-Fortbildung „Bildungsräume in Schulen partizipativ gestalten“ haben wir sie zu Wort kommen lassen.
46 % der Schülerinnen und Schüler vermeiden den Toilettengang – vor allem aufgrund mangelnder Privatsphäre, Verschmutzung und fehlender Füllgüter wie Papier, Seife oder Menstruationsprodukte.
Schultoiletten sind selten Wohlfühlorte, was angesichts des langen Schultages gerade vor dem Hintergrund des Rechtsanspruchs auf ganztägige Bildung und Betreuung geändert werden sollte. Denn unser Nachgehakt! mit der German Toilet Organization (GTO) führte eindrücklich vor Augen, wie stark Schultoiletten das Wohlbefinden der Schülerschaft beeinflussen. Zugleich wurde deutlich, dass Kommunen bei der Gestaltung vor strukturellen Hürden stehen. Daher bleibt das Schulklo oft außen vor. Die GTO setzt sich dafür ein, dass die Toilette bei Schulentwicklungsprozessen konsequenter mitgedacht wird. Die langjährige Erfahrung der Organisation hat gezeigt, dass nachhaltige Veränderung vor allem gelingt, wenn Schülerinnen und Schüler in Planung und Gestaltung „ihrer“ Toiletten einbezogen werden.
Zu Beginn der Veranstaltung skizzierte die Referentin Svenja Ksoll (GTO) das Spannungsfeld der Debatte um Schultoiletten: Während die eine Seite den Schülerinnen und Schülern die Verantwortung für den Zustand der Toiletten zuschreibt, verweist die andere Seite auf marode Anlagen, die längst die Grenzen des Zumutbaren überschreiten und die Grundbedürfnisse von Kindern und Jugendlichen außer Acht lassen. Eine von der GTO 2023 an Berliner Schulen durchgeführte Studie mit rund 1.000 befragten Schülerinnen und Schülern belegt den Handlungsdruck: 46 % der Befragten vermeiden den Toilettengang – vor allem aufgrund mangelnder Privatsphäre, Verschmutzung und fehlender Füllgüter wie Papier, Seife oder Menstruationsprodukte. Fast die Hälfte gab an, als Vermeidungsstrategie weniger zu trinken oder zu essen. Mangelnde Sorge für das stille Örtchen wirkt sich somit nicht nur unmittelbar auf das Lernverhalten aus, sondern birgt gesundheitliche Risiken.
Wollen sich Kommunen auf den Weg machen, die Situation auf den Schultoiletten zu verbessern, stehen sie oft vor strukturellen Herausforderungen, so die Referentin weiter: Sanierungen sind teuer und konkurrieren meist mit anderen drängenden Investitionen. Zuständigkeiten verteilen sich auf verschiedene Ämter, und vielerorts besteht ein erheblicher Sanierungsstau. Auch im Betrieb fehlen oft klare Standards für Reinigung und Wartung. Zudem werden Kinder und Jugendliche in Planung und Nutzungskonzepte bislang selten eingebunden. Dabei zeigte sich, dass Veränderung gerade durch Partizipation gelingt, so Svenja Ksoll. Wenn Schülerinnen und Schüler in Planung, Regeln und Nutzung miteingebunden werden, verbessere sich die Situation in den sanitären Anlagen oft grundlegend.
In der Diskussion mit den Teilnehmenden der Nachgehakt!-Session kamen weitere Hürden zur Sprache: Die Bildungskoordinatorin eines hessischen Landkreises berichtete über ein Projekt für mehr Sauberkeit in den Schultoiletten, das durch den Schülerrat initiiert wurde und durch die Schuldezernentin unterstützt werde. Trotz des Engagements und vieler Ideen aus der Schülerschaft sei es schwierig Lehrkräfte und Schulleitungen für das Thema zu gewinnen – nicht, weil sie das grundsätzlich ablehnen würden, sondern weil sie angesichts des Lehrkräftemangels zum Teil schlicht überfordert seien. Die GTO empfiehlt hier, stärker in den bilateralen Austausch zu gehen und Schulleitungen z. B. über den Peer Austausch für das Thema zu überzeugen. „Wenn eine Schulleitung einer Leitungskollegin von den positiven Erfahrungen mit Projekten der partizipativen Umgestaltung von Schultoiletten berichtet, kann das nochmal anders überzeugen“, so Svenja Ksoll.
Mehrere Teilnehmende betonten, dass Rückzugsbedarfe der Schülerinnen und Schüler ernst zu nehmen sind: Die Schultoiletten seien häufig der einzige Ort in der Schule, an den die Kinder und Jugendlichen sich zurückziehen könnten, wenn sie ihre Ruhe haben wollen oder das Bedürfnis haben, nicht unter Beobachtung von Erwachsenen zu stehen. Wo es Räume „zum Chillen“ oder Pausenangebote gebe, die diese Bedürfnisse erfüllen, müsse die Toilette dafür nicht mehr genutzt werden. Vandalismus ließe sich so präventiv eindämmen. Aus Leipzig kam der Hinweis auf bauliche Standards und gute Erfahrungen mit zugewiesenen Toiletten pro Klassenstufe; darüber hinaus helfe es, Schulanfängerinnen und -anfängern die sanitären Anlagen genau zu erklären – von der Spülung bis zur Ausstattung.
Am Ende der Veranstaltung war deutlich: Zu diesem Thema ließe sich noch länger diskutieren. Wir freuen uns darauf, den Austausch in einer unserer kommenden Veranstaltungen fortzuführen!
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