Online-Fortbildung

Mit inklusiveren Übergangsstrukturen
zur Fachkräftesicherung

In unserer Online-Fortbildung am 25. Februar 2026 ging es darum, wie inklusiv gestaltete Übergangsstrukturen am Übergang Schule-Beruf bislang ausgeschlossene junge Menschen besser in Ausbildung und Beschäftigung bringen – und so kommunale Fachkräftesicherung stärken können. Impulse aus Forschung (DJI/InBiT) und Praxis (Hoyerswerda) zeigten konkrete Ansatzpunkte.

Inklusion am Übergang

Viele Jugendliche fühlen sich mit ihren Berufswünschen nicht ausreichend ernst genommen. Hier gilt es, bei den Interessen der Jugendlichen anzusetzen und Experimentierräume zu ermöglichen.

In unserer Online-Fortbildung am 25. Februar 2026 ging es um die Frage, wie inklusiv gestaltete Übergangsstrukturen am Übergang Schule-Beruf dazu beitragen können, bislang ausgeschlossene junge Menschen besser in Ausbildung und Beschäftigung zu integrieren – und damit zugleich kommunale Fachkräftesicherung zu stärken. Fast vierzig Teilnehmende aus Kommunen (vor allem aus Mitteldeutschland, aber auch bundesweit) sowie aus freien Trägern, Unternehmen, Stiftungen und weiteren Einrichtungen brachten ihre Perspektiven ein. Die Veranstaltung verband Erkenntnisse aus dem DJI-Forschungsprojekt „Inklusion in der beruflichen Bildung“ (InBiT) mit einem kommunalen Praxisimpuls aus Hoyerswerda und einem strukturierten Transfer in Kleingruppen.

Wissenschaftlicher Input: Inklusion am Übergang Schule-Beruf

Tina Wiesner (DJI/REAB Mitteldeutschland) stellte das Projekt InBiT vor, das Erfahrungen junger Menschen (u. a. mit Beeinträchtigung, Migrationserfahrung oder psychischen Belastungen) im Übergang Schule-Beruf untersuchte. Befragt wurden Jugendliche in Übergangsangeboten sowie Fachkräfte, um Barrieren und Gelingensbedingungen sichtbar zu machen. Ein zentrales Ergebnis: Viele Jugendliche fühlen sich mit ihren Berufswünschen und Ressourcen nicht ausreichend ernst genommen. Zugleich zeigen sich Unterschiede in der wahrgenommenen Selbstbestimmung. Wiesner berichtete zudem, dass insbesondere junge Frauen mit Beeinträchtigung häufiger von als unerreichbar erlebten Berufswünschen sprechen. Aus den Ergebnissen wurden drei Kernbotschaften abgeleitet:

  1. bedingungslos an den Interessen junger Menschen ansetzen,
  2. Experimentierräume ermöglichen und
  3. Lebenslagen diversitätssensibel berücksichtigen.

Diese wurden – ergänzt um Umsetzungsimpulse und Reflexionsfragen (z. B. zu Infrastruktur, Beteiligungsformaten und zur Frage, wie in Gremien über Interessen junger Menschen gesprochen wird) – in einer Praxisbroschüre für regionale Akteure aufbereitet.

Praxisimpuls Hoyerswerda: Strukturen klären, Unternehmen gewinnen

Nicole Kockrick, Projektmanagerin im Programm Bildungskommune der Stadt Hoyerswerda, berichtete, wie die Kommune Inklusion als Querschnittsaufgabe am Übergang Schule-Beruf strategisch verankert und mit lokaler Fachkräftesicherung zusammendenkt. Hoyerswerda steht – wie viele Kommunen – vor spürbaren Umbrüchen: demografische Veränderungen, neue wirtschaftliche Perspektiven im Strukturwandel und die Herausforderung, junge Menschen in der Region zu halten und für die Region zu gewinnen. Vor diesem Hintergrund verfolgt die Stadt das Ziel, Übergänge transparenter, verlässlicher und anschlussfähiger zu gestalten – gerade auch für junge Menschen, die bislang häufiger von Ausbildung und Beschäftigung ausgeschlossen werden.

In Hoyerswerda wurde deshalb im Einklang mit dem sächsischen Gesetz zur Weiterentwicklung des Schulwesens aus dem Jahr 2017 ein Kooperationsverbund aufgebaut, in dem Schulen, Schulsozialarbeit, Jugendamt, Berufsberatung, freie Träger und Unterstützungsdienste verbindlicher zusammenarbeiten. Ergänzend setzte die Kommune auf klare Zuständigkeiten und schuf dafür in der Stadtverwaltung eine fest verankerte Anlaufstelle für den Übergang Schule-Beruf. Diese dient Schulen, Partnern und Eltern als verlässlicher Orientierungspunkt.

Ein zweites Handlungsfeld sind Praxiseinblicke in die regionale Arbeitswelt, die schrittweise barriereärmer und inklusiver weiterentwickelt wird – etwa durch Touren und Erkundungsformate in definierten kommunalen Zukunftsfeldern. Unternehmen werden dabei als Schlüsselpartner verstanden: Um Hemmschwellen seitens der Betriebe abzubauen, brauche es konkrete Ansprechpersonen und passende Begleitstrukturen in der Kommune und vor allem Vertrauensaufbau. Flankiert wird dies durch kommunikative Formate, die zur Bewusstseinsbildung beitragen und die positiven Wirkungen inklusiver Beschäftigung stärker sichtbar machen sollen, z. B. durch eine Filmproduktion, die anhand persönlicher Berufsbiografien gelingende Beispiele beruflicher Inklusion in regionalen Unternehmen zeigt. Auch der Aktionstag „Schichtwechsel“ zielt auf Begegnungen zwischen Werkstätten und Unternehmen und ermöglicht so den Abbau von Vorurteilen. Deutlich wurde in den Ausführungen der Projektmanagerin zudem, dass Rahmenbedingungen wie die Mobilität der jungen Menschen und die Erreichbarkeit von Angeboten Teilhabechancen beeinflussen.

Als erhoffte Wirkung beschrieb Kockrick, dass Jugendliche mit besonderem Unterstützungsbedarf stabilere Übergangswege entwickeln können, wenn Partner besser abgestimmt arbeiten und über den gesamten Prozess hinweg verlässliche Kontakte bestehen. Die Verstetigung bleibe jedoch herausfordernd, weil Ansprechstrukturen häufig projektförmig und befristet finanziert seien.

Vom Impuls zum Handeln

Im Anschluss diskutierten die Teilnehmenden in Kleingruppen zentrale Erkenntnisse und erarbeiteten erste Maßnahmen für ihren Kontext. Wiederkehrende Themen waren unübersichtliche Akteurslandschaften und unklare Zuständigkeiten. „Runde Tische“ seien vielerorts vorhanden, aber Verbindlichkeit und Umsetzung blieben schwierig. Als Engpass wurde zudem benannt, geeignete Arbeitgeber zu gewinnen und Betriebe so zu unterstützen und befähigen, dass Zeit, Ressourcen und Begleitung für junge Menschen tatsächlich zur Verfügung stehen. Positiv hervorgehoben wurden modernes Projektmanagement in der Verwaltung, professionelle Netzwerkarbeit und das Clustern kommunaler Handlungsfelder, wie es die Stadt Hoyerswerda mit den sogenannten Zukunftsfeldern zeigt. 

Als vielversprechende Ansätze für die Praxis nannten die Teilnehmenden unter anderem Berufswegekonferenzen bzw. Speed-Dating-Formate anstelle von zu breit angelegten Berufsmessen, eine „Messe der Vielfalt“ beziehungsweise reizärmere Formate für Schülerinnen und Schüler mit höherem Unterstützungsbedarf, mehr Transparenz über Wege nach der Schule (z. B. Bildungswege-Navigatoren), niedrigschwellige Schnupperangebote sowie die Sensibilisierung und Schulung betrieblicher Ansprechpersonen. Als erste Schritte wurden vor allem genannt: Akteure überblicken, Zuständigkeiten klären und Unternehmen gezielt über Unterstützungsangebote informieren.

Fazit und Ausblick

Insgesamt wurde deutlich, dass inklusivere Übergangsstrukturen Teilhabechancen verbessern und zugleich kommunale Fachkräftesicherung unterstützen können – vorausgesetzt, Angebote setzen konsequent an den Interessen junger Menschen an, stärken ihre Selbstbestimmung und berücksichtigen Lebenslagen diversitätssensibel. Um dies sicherzustellen, braucht es eine gute Abstimmung zwischen den relevanten Akteuren vor Ort, deren Koordination und Transparenz der Fülle der Angebote, die sie bereithalten. Die in der Fortbildung geäußerten Vertiefungswünsche, insbesondere nach mehr Praxisbeispielen und Einblicken in die Perspektive von Unternehmen, wird die REAB im weiterführenden Format „Nachgehakt“ aufgreifen.

Kontakt

Tina Wiesner, Wissenstransfer

Tel.: 0345-68178 101 E-Mail: twiesner@dji.de

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