Im Rahmen des Förderprogramms „Bildungskommunen“ arbeiten Kommunen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen an der Weiterentwicklung ihrer Bildungslandschaften. In unserer Reihe „Update Bildungskommunen“ sprechen Mitarbeitende über den aktuellen Stand des Projekts, veränderte Rahmenbedingungen und die damit verbundenen Herausforderungen. Im folgenden Interview gibt Damaris Berger, Leiterin des Bildungsbüros, einen Einblick in die Arbeit des Burgenlandkreises.
Was konnten Sie seit dem Start des Programms bereits umsetzen? Welche Entwicklungen sehen Sie seither in Ihrer Bildungslandschaft?
Das ist so einiges – auch deswegen, weil wir mit 6,25 Vollzeitäquivalenten (VZÄ) bundesweit die meisten Stellen beantragt hatten. Später kam noch eine weitere Stelle zum Thema „Integration durch Bildung“ dazu.
In der Kulturellen Bildung konnten wir beispielsweise mit „KUMBRA“ eine digital-analoge Dachmarke etablieren und neue Formate wie Lesungen in Einfacher Sprache ausprobieren.
Einer unserer Schwerpunkte ist die Leseförderung. Hier konnten wir ein großes Netzwerk von Lesepatinnen und Lesepaten aufbauen. Das sind Menschen, die in Kitas vorlesen oder meist einmal pro Woche mit einem Schulkind das Lesen üben. Sie bekommen von uns Fortbildungen, Vernetzungstreffen und Materialien. Aber auch Projekte mit mehrsprachigen Bücherkoffern in Kitas und Grundschulen, ein Schulbibliothekswettbewerb sowie lokale Buchmessen und Bücherfeste sind entstanden.
Weitere inhaltliche Schwerpunkte sind die psychische Gesundheit und die politische Bildung. Im Bereich der psychischen Gesundheit haben wir eine Regionalgruppe des Präventionsprogramms „Verrückt? Na und!“ aufgebaut und Veranstaltungen für Fachkräfte, etwa zur Erlebnispädagogik, angeboten.
In der politischen Bildung gehören Gedenkstättenfahrten und weitere Formate wie beispielsweise Planspiele zu unseren Angeboten.
Was hat sich innerhalb der Projektzeit im Burgenlandkreis verändert? Mussten Sie Ziele neu ausrichten oder Maßnahmen anpassen?
Die finanzielle Lage der öffentlichen Haushalte – egal ob auf Bundes-, Landes- oder kommunaler Ebene – ist in jedem Fall schlechter geworden. Das kommt bei uns selbst noch nicht so an, aber es verändert definitiv die Stimmung.
An Bedeutung gewonnen hat die politische Bildung. Aber auch die Themen psychische Gesundheit und sozial-emotionale Kompetenzen werden immer stärker nachgefragt.
Wenn Schulen etwas zahlen müssen, beispielsweise für Workshops, bringt das Probleme mit sich – schon allein, weil die organisatorischen Hürden für das Einsammeln von Geld, das Stellen von Förderanträgen usw. hoch sind. Wir versuchen, die Schulen zu den verschiedenen Budgets und Fördermöglichkeiten zu beraten, auch wenn es hier oft Änderungen gibt.
Aber es gibt auch positive Überraschungen: Unsere Vernetzungstreffen für „Heimatforscher“, also Menschen, die in ihren Orten beispielsweise die Chroniken pflegen und Heimatgeschichte(n) recherchieren und aufbereiten, laufen super!
Wie ist das Projekt derzeit aufgestellt?
Dadurch, dass wir recht viele Stellen haben, können wir zum Glück vieles selbst stemmen. Im Bereich der Leseförderung arbeiten wir sehr eng mit der Stadtbibliothek Naumburg und der Mitarbeiterin für Grundbildung einer Heimvolkshochschule zusammen. Unsere örtliche Sparkasse hilft uns oft, Projekte zu finanzieren, ohne dass wir mühevoll Mittel bei anderen Stiftungen einwerben müssen.
Für unsere Projekte der politischen Bildung ist auch die Förderung der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt unverzichtbar. Die Zusammenarbeit mit den anderen Ämtern der Kreisverwaltung ist zum Glück immer besser geworden. Hier hat auch ein Generationenwechsel einiges in Bewegung gebracht.
Was hat sich bisher als die größte Herausforderung bei der Projektumsetzung herausgestellt?
Schwierig ist, dass Bildungsinstitutionen oft überlastet und überfordert sind. Wir versuchen, dem zu begegnen, indem wir bürokratische Hürden möglichst gering halten und einen klaren Mehrwert bieten.
Nicht immer einfach macht es auch die schlechte Stimmung – sowohl gesamtgesellschaftlich als auch bei einzelnen Menschen. Veränderung und Wachstum brauchen Mut und Zuversicht! Das versuchen wir zu vermitteln und vorzuleben und sind froh, dass wir dafür bisher auch die notwendigen Ressourcen hatten.
Woran arbeiten Sie gerade? Was ist Ihr nächstes Ziel oder Meilenstein?
Aktuell befinden wir uns mitten in der technischen Umsetzung unseres Bildungsportals. Das wird eine Website, auf der Bildungsinstitutionen, Fachkräfte und Eltern Bildungsangebote finden und zum Teil auch buchen können – vom außerschulischen Lernort bis zum Angebot für Gewaltprävention. Wir sind schon sehr gespannt, wie es letztendlich aussieht und angenommen wird!

Das Interview führte Nora Herrmann, Kommunalberatung Sachsen-Anhalt.