Übergänge gestalten, Fachkräfte sichern –
der Jugendberufsservice Level 3 im Altenburger Land

Wie können Kommunen junge Menschen beim Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf unterstützen – und damit zur Fachkräftesicherung beitragen? Der Jugendberufsservice Level 3 im Altenburger Land zeigt, wie Berufsberatung, Jobcenter, Jugendamt, Schulamt und kommunales Bildungsmanagement zusammenwirken, um Orientierung zu schaffen und Übergänge verlässlich zu gestalten.

Mit Hilfe zur Selbsthilfe ins Berufsleben

In unserem Podcast „Hauptsache Bildung!“ sprachen wir mit der Bildungskoordinatorin Marie-Luise Gerhardt, Jörg Neumerkel, Teamleiter Level 3, und Frank Tillmann, wissenschaftl. Referent am DJI, über das Projekt „Level 3 – Jugendberufsservice im Altenburger Land“.

Wie können Kommunen junge Menschen beim Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf unterstützen und gleichzeitig zur Fachkräftesicherung beitragen? Das Beispiel des Jugendberufsservice Level 3 im Altenburger Land zeigt, wie abgestimmtes kommunales Handeln, Bildungsmanagement und lokale Netzwerke dazu beitragen können, junge Menschen auf ihrem Weg ins Berufsleben erfolgreich zu begleiten.

Warum der Übergang Schule–Beruf kommunale Aufmerksamkeit braucht

Der Übergang von der Schule in den Beruf ist eine entscheidende Phase in Bildungsbiografien. Gelingt er nicht, hat das Folgen – für die jungen Menschen selbst, aber auch für Kommunen, Betriebe und regionale Fachkräftestrategien. Im Altenburger Land kommen dabei mehrere Herausforderungen zusammen: Der Landkreis ist vom demografischen Wandel geprägt, viele Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt, Berufsschulstandorte werden teilweise zentralisiert und junge Menschen orientieren sich zum Arbeiten oder Studieren häufig in Richtung Leipzig, Gera oder Zwickau.

Gleichzeitig findet trotz vorhandener Ausbildungsangebote nicht jeder junge Mensch den passenden Anschluss. Manche benötigen Unterstützung bei Berufsorientierung, Bewerbung oder Ausbildungsplatzsuche. Andere bringen komplexere Problemlagen mit, etwa Schulden, Sprachbarrieren, familiäre Belastungen, Wohnungslosigkeit oder fehlende Mobilität. Fachkräftesicherung beginnt deshalb dort, wo junge Menschen Orientierung, Begleitung und verlässliche Zugänge benötigen.

Level 3: Kooperation unter einem Dach

Der Jugendberufsservice Level 3 setzt genau an dieser Schnittstelle an. Er versteht sich nicht als neue Institution, sondern als Kooperation verschiedener Partner, die ihre Zuständigkeiten und Unterstützungsangebote bündeln. Ziel ist es, junge Menschen möglichst niedrigschwellig zu erreichen und Unterstützung aus einer Hand zu ermöglichen. Anstatt zwischen verschiedenen Stellen vermittelt zu werden, sollen Anliegen gemeinsam betrachtet und passgenaue Lösungen entwickelt werden.

Das Angebot richtet sich nicht nur an Jugendliche, sondern auch an Eltern, Schulen, Schulsozialarbeit, Beratungsstellen und weitere Netzwerkpartner. Gerade bei schwierigen Übergängen erweist sich dieser vernetzte Ansatz als wichtig, weil häufig mehrere Themen gleichzeitig bearbeitet werden müssen. Nach Einschätzung von Jörg Neumerkel, Teamleiter des Jugendberufsservice Level 3, liegt ein wesentlicher Mehrwert der Zusammenarbeit darin, dass unterschiedliche Perspektiven und Unterstützungsangebote gebündelt werden. Dadurch können Herausforderungen frühzeitig erkannt und junge Menschen passgenauer begleitet werden.

Die Rolle des kommunalen Bildungsmanagements

Eine zentrale Rolle spielt im Altenburger Land das kommunale Bildungsmanagement. Die Bildungskoordination Marie-Luise Gerhardt arbeitet eng mit dem Jugendberufsservice zusammen und verbindet die Erfahrungen aus der Beratungspraxis mit einer strategischen Perspektive auf Bildungsentwicklung. Sie betont, dass die Planung davon profitiert, nah an der Praxis zu sein: „So laufen wir nicht Gefahr, an den tatsächlichen Bedarfen vorbei zu planen.“

Beobachtungen aus dem Beratungsalltag können so systematisch ausgewertet, mit Daten ergänzt und in kommunale Planungs- und Steuerungsprozesse eingebracht werden. Entwicklungen am Übergang Schule–Beruf werden sichtbar, Handlungsbedarfe können identifiziert und Angebote gezielt weiterentwickelt werden.

Kommunales Bildungsmanagement übernimmt damit eine wichtige Brückenfunktion: Es verbindet Einzelfallperspektiven mit strategischer Planung und unterstützt den Austausch zwischen Verwaltung, Bildungseinrichtungen, Arbeitsmarktakteuren und weiteren Partnern.

Sichtbarkeit schaffen und Akteure vernetzen

Neben individueller Beratung spielt die Transparenz von Angeboten eine wichtige Rolle. Junge Menschen, Eltern und Schulen benötigen einen Überblick über Ausbildungs- und Orientierungsmöglichkeiten in der Region.

Im Altenburger Land wurden hierfür unter anderem ein lokaler Praktikumsfinder mit mehr als 200 Ausbildungsbetrieben sowie ein digitaler Kalender zur Berufs- und Studienorientierung entwickelt. Solche Instrumente erleichtern den Zugang zu Informationen und unterstützen Jugendliche bei ihrer beruflichen Orientierung.

Darüber hinaus bringt der Arbeitskreis Schule–Wirtschaft Akteure aus Schule, Wirtschaft, Verwaltung und Unterstützungssystemen zusammen. Gemeinsam werden Formate der Berufsorientierung weiterentwickelt und an die regionalen Bedingungen angepasst.

Gerade in ländlich geprägten Regionen ist dies von besonderer Bedeutung. Viele Unternehmen sind kleine oder mittlere Betriebe mit begrenzten Ressourcen. Berufsorientierung muss daher so gestaltet werden, dass sie sowohl für Jugendliche gut erreichbar als auch für Unternehmen praktikabel bleibt. Angebote direkt an Schulen können beispielsweise Mobilitätsbarrieren reduzieren und gleichzeitig mehr junge Menschen erreichen.

Übergänge nicht dem Zufall überlassen

Das Beispiel Level 3 zeigt, wie kommunale Kooperation am Übergang Schule–Beruf praktisch aussehen kann. Entscheidend ist dabei nicht nur die Unterstützung im Einzelfall, sondern das Zusammenspiel von Bildungsmanagement, Bildungsmonitoring und lokalen Netzwerken. Dort, wo diese Ebenen ineinandergreifen, können Bedarfe besser erkannt, Angebote sichtbarer gemacht und Unterstützungswege verkürzt werden. 

Gleichzeitig bleiben Herausforderungen bestehen. Mobilität, begrenzte Ressourcen und die Abhängigkeit von freiwilligen kommunalen Leistungen machen deutlich, wie wichtig verlässliche Strukturen sind. Erfolgreiche Ansätze benötigen langfristige Unterstützung, politische Rückendeckung und die Möglichkeit, Kooperationen dauerhaft zu etablieren.

Auch aus wissenschaftlicher Sicht wird die Bedeutung nachhaltiger Strukturen betont. So weist Dr. Frank Tillmann, wissenschaftlicher Referent am Deutschen Jugendinstitut (DJI) im Forschungsschwerpunkt „Übergänge im Jugendalter“, darauf hin, dass erfolgreiche Kooperationsmodelle langfristig abgesichert und weiterentwickelt werden sollten. Ebenso wichtig sind verbindliche Qualitätsstandards, die die Zusammenarbeit der beteiligten Akteure unterstützen und die Perspektiven junger Menschen konsequent einbeziehen.

Die Erfahrungen aus dem Altenburger Land verdeutlichen, dass Fachkräftesicherung bereits weit vor dem Eintritt ins Erwerbsleben beginnt. Sie setzt dort an, wo junge Menschen Orientierung erhalten, individuelle Unterstützung erfahren und Zugänge zu Ausbildung und Beruf finden. Kommunen können hierfür wichtige Rahmenbedingungen schaffen, indem sie Akteure vernetzen, Informationen bündeln und Übergänge aktiv gestalten.

Für andere Kommunen bietet das Beispiel wertvolle Anknüpfungspunkte: Eine enge Zusammenarbeit der beteiligten Institutionen, die Verbindung von strategischer Bildungssteuerung und operativer Praxis sowie ein gemeinsamer Blick auf die Bedürfnisse junger Menschen können dazu beitragen, Bildungs- und Berufswege erfolgreicher zu gestalten. Der Jugendberufsservice Level 3 zeigt, wie ein solcher Ansatz vor Ort umgesetzt werden kann.

Kontakt

Sabine Lucks, Wissenstransfer

Tel.: 0345-6817896 E-Mail: lucks@dji.de

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