Auf der Smart-City-Konferenz „TUMO in Halle und Mitteldeutschland“ im Multimediazentrum Halle (Saale) am 19. November diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunen, Politik, Wirtschaft und Bildung über das Bildungsprogramm „TUMO“. Im Mittelpunkt standen Chancen und Grenzen eines möglichen TUMO-Zentrums als außerschulischer Lernort in Mitteldeutschland und die Frage, wie es in bestehende kommunale Bildungsstrukturen eingebunden werden kann.
Mit dem Bildungszentrum „Smart HaNeu“ setzt die Stadt bereits auf digitale Lernangebote. Ein mögliches TUMO-Zentrum würde diese Landschaft ergänzen.

TUMO („TUMO Center for Creative Technologies“) ist ein außerschulisches Lernprogramm für Jugendliche von 12 bis 18 Jahren. Das kostenfreie Angebot verbindet digitale Technologien mit kreativen Themen und sozialem Lernen: Jugendliche können u. a. Programmierung, Animation, Spieleentwicklung und Grafikdesign ausprobieren und vertiefen. Das in Armenien entwickelte Konzept wird inzwischen weltweit umgesetzt. Im Mittelpunkt stehen selbstbestimmtes Lernen und individuelle Lernwege. In Selbstlernphasen und Workshops arbeiten die Jugendlichen an Projekten, begleitet von Coaches und Fachkräften, mit dem Ziel, digitale Kompetenzen und Kreativität zu stärken und Zugänge zu Berufen in digitalen und kreativen Branchen zu eröffnen. Die Konferenz verdeutlichte dabei, dass TUMO mehr ist als ein technisches Angebot: Es soll Jugendlichen einen Ort bieten, an dem sie ihre Interessen entdecken, eigene Ideen umsetzen und neue Perspektiven entwickeln können – unabhängig von der sozialen Herkunft und im Austausch miteinander.
Smart City, Strukturwandel, Fachkräftebedarf – Ansatzpunkte für Kommunen
In ihren Grußworten zum Smart-City-Forum spannten Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Halle und des Landes Sachsen-Anhalt den Bogen vom Smart-City-Programm über den Strukturwandel bis hin zur Fachkräftesicherung. Mit dem Bildungszentrum „Smart HaNeu“ setzt die Stadt bereits auf digitale Lernangebote; ein mögliches TUMO-Zentrum würde diese Landschaft ergänzen. Aus kommunaler Sicht kann TUMO dazu beitragen, den Strukturwandel zu bewältigen: Durch die Förderung digitaler, sozialer und kreativer Kompetenzen werden junge Menschen für den Umgang mit den gesellschaftlichen Veränderungen fit gemacht. Darüber hinaus betonten Vertreterinnen und Vertreter aus der Wirtschaft, dass TUMO auch einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung des regionalen Wirtschaftsraums leisten kann. Die Teilnehmenden diskutierten auch die Idee, ein TUMO-Zentrum in der Stadt mit kleineren „TUMO-Boxen“ in der Region zu verknüpfen, um nicht nur zentrale Lagen, sondern auch ländlichere Räume zu erreichen.
Erfahrungen aus TUMO Berlin
Ein Erfahrungsbericht aus dem TUMO-Zentrum in Berlin zeigte, wie dort wöchentlich bis zu 1500 Jugendliche in zehn Themenfeldern arbeiten und von einem Team aus Mitarbeitenden, Werkstudierenden und externen Expertinnen und Experten begleitet werden. Im Mittelpunkt des TUMO-Konzepts stehen die sogenannte „walk away“-Pädagogik, die den Jugendlichen viel Eigenverantwortung beim Lernen überlässt, die Förderung eines guten Schulnetzwerks, um Jugendliche aus unterschiedlichen sozialen Lagen zu erreichen, sowie die Einbettung des Angebots in eine internationale TUMO-Struktur, die den Austausch zwischen Teilnehmenden fördert und die gemeinsame Weiterentwicklung ermöglicht.
Was TUMO Kommunen bieten kann
In der Podiumsdiskussion und in den Workshops wurden mögliche Mehrwerte eines TUMO-Zentrums für Kommunen und das kommunale Bildungsmanagement herausgearbeitet. TUMO, so der Tenor, ist als Lernort vor allem auch für die Jugendlichen attraktiv, die klassische Bildungsangebote oft nicht ansprechen. Das Programm eröffne zudem neue Anknüpfungspunkte für Schulen, Jugendhilfe und andere Partner. Durch die Kostenfreiheit sowie die gezielte Ansprache unterschiedlicher Schulen und Sozialräume kann das Angebot darüber hinaus einen Beitrag zur Chancengleichheit beim Zugang zu digitaler Bildung leisten. Zugleich kann durch den schulbegleitenden Aufbau digitaler Kompetenzen eine Brücke zur Wirtschaft geschlagen werden. In anderen Städten ist TUMO bereits Impulsgeber für Kooperationen mit Bildungsinitiativen, Kultur- und Jugendeinrichtungen. Für Kommunen kann es damit ein Baustein einer analog-digital vernetzten Bildungslandschaft sein – vorausgesetzt, das Angebot wird gut in lokale Prozesse und Strategien eingebunden.
Was TUMO nicht leisten kann – und welche Fragen bleiben
Beim Smart-City-Forum wurden auch die Grenzen des Konzepts diskutiert. TUMO setzt auf freiwillige Teilnehmende; Grundbildung in Lesen, Schreiben oder Rechnen vermittelt das Angebot nicht und strukturelle Benachteiligungen kann es allein nicht auflösen. Auch stellt sich die Frage, wie die dort erworbenen Kompetenzen z. B. an schulischen und beruflichen Übergängen sichtbar gemacht werden könnten – denn das Programm verzichtet bewusst auf eine Bewertung der Leistung der Jugendlichen. Bestehende Initiativen und außerschulische Bildungsträger befürchten zudem eine Konkurrenz um Aufmerksamkeit und Ressourcen. Hinzu kommen offene Fragen zu Standort, Trägerschaft und langfristiger Finanzierung.
Was bleibt für das kommunale Bildungsmanagement?
Klar wurde: TUMO ist als ergänzender Baustein in einer vielfältigen Bildungslandschaft gedacht und braucht dafür transparente Rahmenbedingungen, die Beteiligung der bestehenden Bildungsakteure und eine sorgfältige Abstimmung mit kommunalen Strategien und Budgets. Für das kommunale Bildungsmanagement wirft TUMO damit wichtige Zukunftsfragen auf: Wie ließe sich ein solches Angebot sinnvoll in bestehende Bildungsstrukturen einbinden, wie können Stadt und Umland gleichermaßen profitieren und welche Partnerschaften und Finanzierungsmodelle braucht es dafür? Die Konferenz in Halle hat erste Antworten angedeutet – und zugleich gezeigt, dass die weitere Gestaltung eines möglichen TUMO-Standorts nur im engen Schulterschluss mit den kommunalen Akteurinnen und Akteuren vor Ort gelingen kann.