Kommune und Zivilgesellschaft als Bildungspartner? Fachtagung zeigte,
wie es gehen kann

Am 5. und 6. November lud das BMBFSFJ Akteure aus Kommunalverwaltungen und Zivilgesellschaft zur Fachtagung nach Bonn. Hier erhielten sie Inspiration und Rückenwind für die gemeinsame Gestaltung lokaler Bildungslandschaften. Begleitend zur Tagung erschien auch eine Praxisbroschüre, die zahlreiche Tipps und gute Beispiele bündelt. Sie haben es nicht zur Tagung geschafft? Dann lesen Sie unseren Artikel.

Inspiration und Rückenwind

Rund 250 Teilnehmende waren in Bonn zusammengekommen, um sich darüber auszutauschen, wie zivilgesellschaftliche Initiativen und Kommunalverwaltungen gemeinsam zur Gestaltung kommunaler Bildungslandschaften beitragen können.

Am 5. und 6. November lud das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) Akteure aus Kommunalverwaltungen und Zivilgesellschaft zur Fachtagung nach Bonn. Zwei Tage Austausch und Perspektivwechsel verhalfen den rund 250 Teilnehmenden zu einem besseren Verständnis dafür, was zivilgesellschaftliche Initiativen einerseits und Kommunalverwaltungen andererseits ausmacht und wie beide gemeinsam zur Gestaltung kommunaler Bildungslandschaften beitragen können. Begleitet und unterstützt wurde die Veranstaltung vom bundesweiten Fachnetzwerk der Transferinitiative Kommunales Bildungsmanagement.

Wichtige Ergänzung zum formalen Angebot

Zahlreiche Praxisbeispiele, die im Rahmen von Impulsen, Workshops und Paneldiskussionen präsentiert wurden, zeigten, dass die Angebote zivilgesellschaftlicher Initiativen Bedarfe unterschiedlichster Zielgruppen adressieren und das formale Bildungsangebot an vielen Stellen sinnvoll erweitern und ergänzen. Damit eröffnen sich auf kommunaler Ebene mannigfaltige Möglichkeiten zur Zusammenarbeit. Oft setzen Kooperationen im Kontext von Schule an – etwa im Bereich Ganztag. Hier können sie eine Brücke in den Sozialraum und damit zur Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler schlagen.

Netzwerke als Organisationsform und Aushandlungsort

Im Rahmen des Transferworkshops, den unsere REAB auf der Tagung ausgestaltet hat, erläuterten Stefanie Teichmann, Bildungsmanagerin der Stadt Jena, und Jens Leschner, Koordinierungsstelle Bildung in Hoyerswerda und Geschäftsführer des RAA Hoyerswerda/Ostsachsen e.V., wie ihre lokalen Bildungsnetzwerke mit zivilgesellschaftlichen Akteuren aussehen, wie sie moderiert und gesteuert werden und sich beständig weiterentwickeln. 

Anhand dieser Beispiele wurde vieles plastisch: Als Organisationsform sind lokale Bildungsnetzwerke geeignet, kommunales und zivilgesellschaftliches Engagement in unterschiedlichen Bereichen und auf verschiedenen Ebenen miteinander zu verzahnen. Erstrecken sich die Netzwerke über traditionelle Systemgrenzen, vergrößern sich sowohl die kommunalen Steuerungs- als auch die Mitgestaltungsmöglichkeiten für zivilgesellschaftliche Akteure. Starke lokale Netzwerke sind somit nicht nur der Ort, wo abgestimmte, plurale Bildungsangebote entstehen. Sie sind auch Orte gelebter Demokratie und eine Struktur, auf die selbst in Krisenzeiten Verlass ist.

Kultur der Zusammenarbeit muss wachsen

Im Austausch zu den inspirierenden Praxisimpulsen kristallisierte sich auf der Tagung eine wichtige Erkenntnis heraus: Eine Zusammenarbeit zwischen Kommunalverwaltung und Zivilgesellschaft ist vielerorts noch längst nicht selbstverständlich. Um echte Kooperationskultur zu entwickeln, braucht es ein gemeinsames Verständnis von Verantwortung. Dieses entsteht, wenn alle konsequent von den Bedürfnissen der Zielgruppen aus denken. Im gemeinsamen Prozess ist auch Geduld erforderlich, damit Vertrauen und Verständnis füreinander wachsen können. 

Nachhaltige Netzwerke, in denen Kommune und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten, entstehen also nicht von heute auf morgen. Um sie nicht nur aufzubauen, sondern auch aufrechtzuerhalten, braucht es Zeit, Engagement der beteiligten Akteure – und eine Stelle, die Abstimmungen und Vernetzungsprozesse auf Dauer in der Kommune koordiniert. Um den Mehrwert der Arbeit im Netzwerk immer wieder nach innen und außen bewusst zu machen und so nicht zuletzt die Hingabe der beteiligten Akteure zu erhalten, hilft es, bereits Zwischenlösungen, kleine Erfolge und Projekte sichtbar zu machen. Auch hilft datenbasiertes Arbeiten, um Wirkungen abschätzen und strategische Entscheidungen treffen zu können.
 

Weiterführende Informationen

Eine ausführliche Dokumentation zur Fachtagung ist auf der Website der Transferinitiative Kommunales Bildungsmanagement erschienen. Für eine praxisnahe Einführung in die Materie empfiehlt sich darüber hinaus ein Blick in die parallel zur Tagung erschienene Broschüre „Zivilgesellschaft und Kommune – Gemeinsam Bildungslandschaften gestalten“ (Download PDF). Darin finden sich Beispiele aus dem gesamten Bundesgebiet und natürlich auch aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Kontakt

Dr. Cornelia Leser, Kommunalberatung Sachsen

Tel.: 0341-99392316 E-Mail: leser@dji.de

Mehr zum Thema

Begleitende Publikation

Im Kontext der Fachkonferenz erschien eine begleitende gleichnamige Publikation. Sie widmet sich dem Thema in Form von anschaulichen Praxisbeispielen aus Kommunen deutschlandweit.

6. Deutscher Freiwilligensurvey

Der Deutsche Freiwilligensurvey ist die Grundlage für die Berichterstattung zur Entwicklung des freiwilligen Engagements. Der Bericht liefert ein umfassendes Bild der Entwicklung der Zivilgesellschaft.

Blitzlicht Bildungskommunen

Die Ausgabe „Partizipation der Zivilgesellschaft an der Gestaltung kommunaler Bildungslandschaften“ ist das zweite Blitzlicht in einer Reihe, die verschiedene Schlüsselthemen des Förderprogramms beleuchtet.